Wir machen Nachhaltigkeit in Betonwerken transparent

June 1, 2026

Tobias Laurens, Managing Director des Concrete Sustainability Councils, über die Bedeutung und Vorteile des globales Zertifizierungssystems für die Zement-, Beton- und Gesteinskörnungsindustrie (CSC)

Herr Laurens, was ist das CSC und wie würden Sie die Bedeutung dieser Zertifizierung für Betonhersteller beschreiben?
Tobias Laurens: Das CSC ist eine Zertifizierung für die gesamte Lieferkette. Unser Ziel ist es, Beton nachhaltiger zu machen — von Zement- und Zuschlagstoffwerken sowie Transportbetonwerken bis hin zum Transport zum Kunden.

Welchen Nutzen bietet die Teilnahme am CSC-System?
Das Besondere am CSC ist, dass es sich um eine unabhängige, von der Branche selbst getragene Zertifizierung handelt. Wir sind auf die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen der Industrie abgestimmt. Gleichzeitig entwickeln wir das System kontinuierlich weiter. Alle drei Wochen veranstalten wir ein technisches Meeting mit Branchenexpertinnen und -experten aus der ganzen Welt.

Durch die enge Zusammenarbeit mit Betonherstellern können wir auf neue Entwicklungen reagieren und sicherstellen, dass wir bei Innovationen in der Betonindustrie stets auf dem neuesten Stand bleiben.

Nachhaltigkeit ist das wichtigste Thema in der Betonindustrie. Wie kann das CSC die Branche dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen?
Ich denke, Nachhaltigkeit ist die größte Herausforderung unserer Branche. Das CSC ist eine Zertifizierung, die mehrere entscheidende Nachhaltigkeitsaspekte miteinander verbindet — vom Global Warming Potential bis hin zu nachhaltigem Transport.

Durch die Bündelung all dieser unterschiedlichen Nachhaltigkeitsfaktoren in einer einzigen Zertifizierung wird das CSC zu einem wirkungsvollen Instrument, um Fortschritte zu messen und Ziele zu definieren.

Wie messen Sie die Fortschritte von Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit?
Wir verfolgen die verschiedenen definierten Kriterien genau. So sehen wir beispielsweise, dass Unternehmen im Bereich Transport höhere Bewertungen erzielen, weil sie in diesem Bereich innovativer werden. Dasselbe gilt für EPDs und andere Aspekte.

Ich selbst komme aus einem mittelständischen Betonunternehmen, und wir haben das CSC vor allem genutzt, um den Überblick über alle umgesetzten Maßnahmen zu behalten. Dadurch konnten wir unsere Fortschritte und unsere Entwicklung nachvollziehen. Sobald man mit der Zertifizierung vertraut ist, hilft das Monitoring-System direkt dabei, nicht nur Nachhaltigkeitsfaktoren, sondern auch die Produktion insgesamt zu verbessern.

Jetzt, da Sie in Österreich sind: Wie reagieren österreichische Betonhersteller auf das CSC?
Wir beobachten ein wachsendes Interesse am CSC in Österreich. Die heimischen Hersteller beginnen, den Mehrwert dieser Zertifizierung zu erkennen, und wir können sie in diesem Prozess unterstützen.

Das Image von Beton in der öffentlichen Wahrnehmung gilt alles andere als nachhaltig. Wie kann dieses Bild verändert werden?
Das ist eine sehr gute Frage. Zunächst einmal ist Kommunikation eine große Herausforderung für die Betonindustrie. Holz und Beton werden völlig unterschiedlich wahrgenommen. Als Branche müssen wir klarer kommunizieren und erklären, was wir bisher bereits erreicht haben.

Das Nachhaltigkeitspotenzial von Beton ist enorm und weitgehend unbekannt. Wir müssen dieses Bild verändern und Beton als robusten und nachhaltigen Baustoff für kommende Generationen etablieren.

Es gibt immer mehr CO₂-arme Betonsorten auf dem Markt, doch die Kunden stehen ihnen nicht immer offen gegenüber. Wie kann man sie überzeugen, diese beispielsweise in Ausschreibungen und Angeboten einzusetzen?
Das muss eine gemeinsame Anstrengung sein. Auftraggeber müssen die Branche dabei unterstützen, nachhaltiger zu werden. Es braucht einen Dialog zwischen allen Beteiligten der Beton-Lieferkette.

Große Kongresse wie der Baukongress hier in Wien, der alle zwei Jahre stattfindet, sind hervorragende Plattformen, um alle Stakeholder zusammenzubringen und aufzuzeigen, warum Nachhaltigkeitsstrategien und Zertifizierungen so wichtig sind.

Wir müssen gemeinsam an der Nachhaltigkeit arbeiten — nur so können wir echte Fortschritte erzielen.

Das Interview wurde am 23.April im Rahmen des Baukongresses in Wien aufgezeichnet. Das Gespräch führte Nedad Memic vom Beton Dialog Österreich (BDÖ) mit Tobias Laurens, Geschäftsführer des Concrete Sustainability Council (CSC).